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Tegeler See

Im Nordwesten der Stadt Berlin im Bezirk Reinickendorf gelegen gehört der Tegeler See zur Kette der Havelseen und –ausbuchtungen. Im Berliner Stadtgebiet ist der See mit seiner Gesamtfläche von 396 ha nach dem Müggelsee (766 ha) der zweitgrößte See der Stadt. Eine Besonderheit, die den See von den anderen Berliner Gewässern unterscheidet, ist seine Tiefe, die mit 16 m an der tiefsten Stelle, aber vor allem mit einer mittleren Tiefe von 6,60 m im Vergleich der Seen sehr hoch ausfällt. So kommt es, dass der Tegeler See trotz eines Flächenverhältnisses zum Müggelsee von 1:1,9 ein Volumenverhältnis von 1:1,4 vorweist.
Der natürliche Zufluss wird vom Tegeler Fließ gebildet, das ein Gebiet nördlich Berlins entwässert. Durch den Einfluss des Menschen kommt heute jedoch der größte Anteil des Wasserzuflusses über den Nordgraben, der sich kurz vor der Mündung des Fließes mit diesem vereinigt. Der Nordgraben ist ein künstlicher Graben, der einen Teil des geklärten Abwassers des Klärwerks Schönerlinde zum Tegeler See leitet.

Die durch den Nordgraben zugeführte biologische Belastung primär durch Phosphor war dann auch jahrzehntelang das große Problem des Sees. Der starke Nährstoffeintrag hatte ein extremes Algenwachstum im Sommer zur Folge, die Weißfischbestände explodierten und alles zusammen sorgte immer wieder für Sauerstoffmangel, soweit, dass der See drohte, gänzlich umzukippen. Um dem drohenden Unheil entgegen zu wirken, wurden große Anstrengungen unternommen, deren Eckpunkte die Anreicherung insbesondere des Tiefenwassers mit Sauerstoff und die drastische Reduzierung des eingetragenen Phosphors waren. Um erstes zu erreichen wurden bereits 1979 15 Belüfter installiert, um das Tiefwasser mit Sauerstoff zu versorgen. Um das zweite Ziel zu erreichen wurde 1985 an der Mündung des Nordgrabens ins Fließ eine Phosphateleminationsanlage gebaut, die heute aber nicht mehr in Betrieb ist, da das Klärwerk Schönerlinde inzwischen mit einer integrierten Phosphatelimination ausgestattet wurde.

Die Maßnahmen haben inzwischen große Wirkung gezeigt, so dass der Tegeler See heute nicht nur das sauberste der Havelgewässer ist, sondern auch insgesamt eine gute Qualität besitzt. Diese Entwicklung spiegelte sich dann auch im Fischbestand wider.

Während der Zeit der starken Eutrophierung verschwand zum einen der Hecht, der als Augenjäger mit der schlechten Sichtigkeit zu kämpfen hatte, gleichzeitig war diese Entwicklung aber dem Zander sehr zuträglich, so dass dessen Bestände sich sehr positiv entwickelten und der Zander zum Brotfisch vieler Angler und insbesondere der Berufsfischer wurde. Die Weißfischbestände explodierten förmlich, die Arten Plötze, Güster und Blei bildeten große Überbestände während Alande und Rotfedern immer seltener wurden.

Im Zuge der Oligotrophierung kehrte sich diese Entwicklung um, so dass heute der Hecht wieder der dominante Raubfisch ist, während der Zander nur mehr Nischenbestände bildet, wenngleich er weiterhin vorhanden ist. Die Weißfischbestände haben sich wieder normalisiert was zudem mit einer Zunahme der Durchschnittsgewichte einher ging. Auch die Bestände der Rotfedern und Alande haben wieder zugenommen. Im aktuellen Stadium der Entwicklung des Sees leben im Tegeler See 24 verschiedene Fischarten, wobei die anglerisch interessantesten bei den Raubfischen Hecht, Barsch und seit ein paar Jahren auch verstärkt der Rapfen, bei den Friedfischen die typische Bandbreite der Weißfische sind. Wels und Zander kommen zwar vor, die Bestände sind jedoch eher klein und ein gezieltes Beangeln eine Sache für ganz besonders geduldige Angler. Karpfen und Schleien kommen ebenso vor, aber auch deren Bestände sind eher dünn, wenngleich sich die Schleien positiv zu entwickeln scheinen, so dass es zu häufigeren, oft kapitalen Beifängen beim Weißfischangeln kommt.

Bewirtschaftet wird der See vom Fischreiamt an der Havelchaussee, welches die Angelkarten ausgibt, die Hege organisiert und damit auch für den Besatz zuständig ist. Leider sind die Fischereirechte an den Berliner Gewässern und somit auch dem Tegeler See in vielen kleinen Teilrechten in den verschiedensten Händen, so dass die oft gegenläufigen Interessen der Rechteinhaber einer zukunftsorientierten Hege nicht zuträglich sind und eine wirklich nachhaltige Bewirtschaftung des Gewässers bis heute nicht überzeugend in die Tat umgesetzt werden konnte.

So bleibt für den See zu hoffen, dass sich die positive Entwicklung bei der Wasserqualität auch in der Zukunft fortsetzt und langfristig eine fischereiliche Gewässerhege und Bewirtschaftung in die Tat umgesetzt wird, die dem Potential des Gewässers gerecht wird.
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